Home

Christian Schacherreiter: Wo die Fahrt zu Ende geht

Falls ihr euch schon mal gefragt habt, wo wir uns für Neuankäufe inspirieren lassen: Unter anderem im OÖ. Kulturbericht. Dominika Meindls monatliche Buchtipps machen richtig Lust aufs Lesen. Etliche ihrer Empfehlungen werden sofort an unsere Buchhändlerin des Vertrauens weitergeleitet.

Aber lest selbst: Hier die Buchbesprechung im Oktober!

1353535_m3w561h315q80v19455_xio-fcmsimage-20151007183502-006006-561549b629bf2-.2c18193a-8692-45a7-b4b7-61ca47f28f27

OÖN-Literaturkritiker und Schriftsteller Christian Schacherreiter

DominikaMeindl_315x210

„Tugendterroristin“ Dominika Meindl

Der Schacherreiter ist ein kühner Hund! Er wagt, die Seite zu wechseln: als Literaturkritiker, der selbst einen Roman schreibt. Wie muss es sich für ihn anfühlen, selbst besprochen zu werden? Gehen wir’s an:
Der Mitfünfziger Hans, Historiker am oö. Landesarchiv, trifft überraschend auf Dora, seine Studentenliebschaft. Sie hat ihn vor 33 Jahren verlassen, weil er lieber an der Dissertation über die katholische Soziallehre schrieb, als mit ihr von links her die Welt zu retten. Ein antiutopischer Junggeselle ist Hans geblieben, ein Bildungsbürger, wie sie schon selten werden; Dora nennt ihn einen „höflichen Zyniker“. Man lässt sich wieder aufeinander ein, was Anlass gibt, lange über die gemeinsame Vergangenheit in den wilden 70ern zu reflektieren. Es ist dies auch die Geschichte der Verbürgerlichung, natürlich trinkt man jetzt schöne Weine und geht zwecks Amour-Anbahnung zuerst ins Theater. Ein milder Nachsommer wird das aber nicht. Zwist, eine hübsche 26-Jährige und die ferne Schwester mischen sich ein. Welche der drei Frauen – jeder Teil trägt einen ihrer Namen – dem armen Archivar am Ende bleibt, verraten wir nicht. Auch weil die Spannung hilft, die zuweilen opulenten Ausführungen über Oberösterreichs Klosterkultur und das Scheitern des Klassenkampfes zu lesen. Linksromantische Biertrinkerinnen vermissen möglicherweise die gleiche Liebe zum Zerlegen des blöden Neoliberalismus.
Aber das schreiben wir erstens nun her, um Schacherreiter zu sekkieren, und zweitens, weil er wissen wird, dass in jeder Besprechung ein Tadel einzubauen ist, sonst ist sie unseriös. Wie er aber mit melancholischer Ironie die Plagen der Monogamie und des herrschenden Zeitgeistes bedenkt, hat viel Wahres und Schönes.“

PS: Den Kulturbericht kann man übrigens gratis abonieren, und zwar hier.

PPS:   Dominika Meindls „Lebensbeichte einer Tugendterroristin“ man hier nachlesen.

Hinterlasse einen Kommentar