Weil er gerade erst bei uns war, und weil das Thema leider aktueller ist denn je, empfehlen wir euch im Dezember Erich Hackls „Abschied von Sidonie“.
Eine Geschichte, die Mut macht, weil diese Familie ein Vorbild ist an Mitmenschlichkeit und Selbstachtung.
Eine Geschichte, die Angst macht. Weil sie zeigt, wie eine Gesellschaft in einer politischen und wirtschaftlichen Krise zu einem Monster wird.
Das Buch ist 1991 bei Diogenes erschienen. Bei uns gibt es auch den Film von Karin Brandauer, erschienen in der Standard-Edition „Der österreichische Film“.
Zum Inhalt:
Am achtzehnten August 1933 entdeckte der Pförtner des Krankenhauses von Steyr ein schlafendes Kind. Neben dem Säugling, der in Lumpen gewickelt war, lag ein Stück Papier, auf dem mit ungelenker Schrift geschrieben stand: »Ich heiße Sidonie Adlersburg und bin geboren auf der Straße nach Altheim. Bitte um Eltern.«
Erich Hackl ist – wie schon mit seiner aufsehenerregenden Erzählung ›Auroras Anlaß‹ – einem unerhörten, jahrzehntelang verschwiegenen Fall nachgegangen; in einer knappen, präzisen Sprache erzählt Hackl das bewegende Schicksal Sidonies, ihr kurzes Glück bei den Pflegeeltern und deren verzweifelte Bemühungen, das Kind vor dem ihm zugedachten Ende zu bewahren. ›Abschied von Sidonie‹ ist nicht nur eine Chronik der Gewalt, von ›Trägheit des Herzens‹ und Bestialität des Anstands, sondern auch eine Liebeserklärung an Menschen, die in großen wie in kleinen Zeiten Mitgefühl und Selbstachtung vor falsch verstandene Pflichterfüllung gestellt haben. Zugleich gibt das Buch einen tiefen Einblick in den Zustand eines Landes und seiner Bewohner, zeigt, was möglich war und was wirklich wurde, und was davon geblieben ist. (Text: Diogenes)